Interview

Interview mit Paul Zipser: „Der Kopf war der härteste Gegner“

 

Frage: Paul, danke, dass du dir die Zeit nimmst, über ein so persönliches Thema zu sprechen. Du hast 2021 die Nachricht bekommen, dass bei dir ein Tumor entdeckt wurde. Wie hast du diese Diagnose zu Beginn verarbeitet und was ging dir durch den Kopf, als du erfahren hast, dass du eine so schwere Erkrankung hast?

 

Paul Zipser: Ich würde sagen, wie ich gemerkt habe und ich dann auch ins Krankenhaus gekommen bin an dem Morgen, wie ich mehrere Symptome hatte und dann die Gesichtslähmung und dann auch so dazu kam und das so quasi die abschließende Red Flag war. Da war ich eher im Ruhezustand und habe die ganzen Tests und sowas einfach über mich ergehen lassen und wollte einfach nur das hinter mich bringen, so schnell es geht. Und wie ich dann, ich glaube, so einen Tag, eineinhalb Tage mich einfach ausgeruht und dann hat es höchstwahrscheinlich aufgehört zu bluten deswegen habe ich mich dann auch besser gefühlt im Kopf. Und dann nichts Neues nachkam und dann haben wir auch das Gespräch mit dem Chirurg gehabt. Da war ich sehr profisportlermäßig fokussiert und im Tunnel. Ich habe gar nicht viel darüber nachgedacht was das alles so zu bedeuten hat.

Natürlich wusste ich, was da auf dem Spiel steht und dass das auch ein Risiko mit sich bringt, ein großes Risiko. Aber ich konnte mir das bei weitem nicht vorstellen, ein Leben zu führen, wo ich eine tickende Zeitbombe in meinem Kopf habe, die einfach nur darauf wartet, irgendwann wieder weiter zu bluten und ich dann wieder Ausfälle habe. [...] Deswegen war ich ganz klar der Meinung, es ist besser, das jetzt rausnehmen zu lassen. Auch wenn es wie gesagt ein Risiko mit sich bringt, also da war ich sehr fokussiert. [...] Ich war sehr früh schon im Tunnel, ich würde mal sagen erst so ein, zwei Wochen nach der OP, wie ich dann ein bisschen mehr klargekommen wieder bin und mir es ein bisschen besser ging, dann hat es bei mir schon zugeschlagen. Aber ganz am Anfang war ich viel einfach im Tunnel.

 

Frage: Du hast ja nicht nur mit der Krankheit selbst zu kämpfen gehabt, sondern auch mit den Auswirkungen auf deine Karriere als Profisportler. Wie hast du die körperlichen und psychischen Belastungen in dieser Zeit erlebt und wie bist du damit umgegangen?

 

Paul Zipser: Ja, ich glaube, zur zweiten Frage, die Psyche hat... 90 Prozent des Problems dargestellt dann irgendwann, wie ich erstmal aus dem Krankenhaus raus bin und meinen Kreislauf in den Griff bekommen habe und so koordinative Sachen wie Sachen greifen und die dann beim ersten Mal wieder zupacken und laufen. Ganz grundlegende Sachen, wie ich das abgehakt habe, was relativ schnell nach ein paar Wochen wieder ging oder besser ging und dann, ich würde sagen, nach so zwei, drei Monaten war ich eigentlich wieder ready für den Alltag für jeden normalen Job, wenn nicht mein Job Leistungssportler wäre.

Und dann ging es einfach darum, die letzten paar Prozent für den Leistungssport rauszuholen. Und da, die haben sich sehr gezogen. Und ich würde sagen, ich bin immer noch im Prozess deswegen es zieht sich immer noch. Mittlerweile habe ich mich mit dieser ganzen Situation, die ich jetzt seit über drei Jahren habe, abgefunden und bin damit aufgewachsen. [...] Aber ich glaube, diese paar Prozente, die man dann für den Leistungssport braucht und gerade für das Level dann noch ganz oben zu kommen, die ziehen sich wie Kaugummi und da ist die Psyche natürlich super beansprucht.

Der Verein und generell das ganze Umfeld hat mir signalisiert, dass egal was ich denke, was ich brauchen könnte, soll ich machen oder sagen oder verlangen. Und das habe ich gemacht und es war zwischendurch auch einfach mal zwei Wochen gar nichts machen oder wenn man merkt okay, heute war ein anstrengender Tag [...] dann einfach darauf reagieren und was der eigene Körper sagt oder der eigene Kopf sagt, dass man darauf hört. [...] Auch ich hatte viele nachdenkliche oder viele schwierige Phasen zwischendurch und das ist auch ganz normal bei so einem Prozess, aber ich glaube, dass ich das ganz gut hinbekommen habe mit dem Umfeld. [...] Irgendwann habe ich dann auch therapeutisch jemanden gehabt, mit dem ich immer wieder gesprochen habe.

 

 

Frage: Deine Rückkehr zum Profisport nach der Tumor-Operation war sicher kein einfacher Schritt. Wie hast du es geschafft, dich wieder so gut zu rehabilitieren, um auf das Spielfeld zurückzukehren? Was waren die größten Herausforderungen für dich, sowohl körperlich als auch mental?

 

Paul Zipser: Es hat mir sehr geholfen auf das Niveau oder annähernd an das Niveau wo ich davor war, wieder ranzukommen einfach wieder, dass ich für alles offen war. Also dass ich nicht gesagt habe, das ist der Weg oder ich eine Person gefragt habe und die gesagt hat, ja, wir machen jetzt Plan A und dann habe ich mir Plan B auch gar nicht angehört [...], sondern ich habe super, super viele Sachen ausprobiert. Und Zeit investiert und einfach super, super viel gearbeitet.

Das war mit die anstrengendste Phase, die ich in meiner Laufbahn gehabt habe, was den Körper angeht. Also ich habe mich so gepusht. In der Sekunde, wo ich gedacht habe, okay, ich kann den Ball wieder ein bisschen dribbeln, dann habe ich das Joggen angefangen dann habe ich Krafttraining. So viele Baustellen angefangen und trotzdem noch verschiedenste Sachen ausprobiert. [...] Das war schon alles sehr sehr anstrengend aber ich glaube es eigentlich so wie wir das gemacht haben perfekt.

 

Frage: Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach war, wieder in die richtige mentale Verfassung zu kommen, um auf höchstem Niveau zu spielen. Was hat dir geholfen, diesen Schritt zu gehen? War es der Wille, wieder zu spielen, oder hat die Unterstützung von außen, wie Familie, Teamkollegen und Ärzte, eine besonders wichtige Rolle gespielt?

 

Paul Zipser: Mental hat mir erstens Mira extremst viel geholfen. Also sie macht eh so auch super viel, um mir den Rücken freizuhalten, aber da die paar wenige Aufgaben, die ich sonst so habe, die hat sie mir auch dann noch freigehalten. Also ich musste eigentlich quasi in den ersten Monaten, eineinhalb Jahren [...] außer meine Reha zu organisieren Training machen eigentlich sonst nichts. [...] Das hat mir super super viel geholfen und ja also sie hat einen ganz, ganz großen Teil daran beigetragen. Meine Familie, Freunde haben viel übernommen, was sie Mira helfen konnten.

Wie ich gesagt habe, mental, dass man mit jemandem redet wenn man das Gefühl hat, es könnte vielleicht helfen, ich probiere es einfach mal aus. [...] Und dann glaube ich im letzten Jahr oder zumindest jetzt im Sommer habe ich mich so ein bisschen auch von dem alten Spieler Paul Zipser verabschiedet. [...] Sich dann von dem alten Spieler so zu verabschieden und eine neue Aufgabe, einen neuen Spieler, eine neue Rolle anzunehmen, ist eigentlich super gut. Ich weiß jetzt nicht, ob das früh oder spät ist, keine Ahnung, vom Gefühl her spät aber... Ja, und ich glaube, das hilft mir jetzt gerade sehr.

 

 

Frage: Paul, Du hast lange in der NBA gespielt. In den USA wurde dein Fuß bzgl. einer Stressfraktur lange behandelt. Wie empfindest Du den Umgang mit Profisportlern zwischen den USA und Deutschland?

Paul Zipser: Das ist sehr, sehr unterschiedlich. Also ich würde da gar nicht sagen, dass man Deutschland mit USA vergleicht weil ich kenne halt nur das Franchise Chicago Bulls [...]. Aber es gibt auch auf jeden Fall andere Beispiele. Also da hat man entweder Glück oder Pech, je nachdem, wo man dann da landet. Wahrscheinlich vergleichbar mit Deutschland, obwohl ich eigentlich glaube, ich denke, dass Deutschland vielleicht sogar die Nase vorne hat, wenn ich so mal den Schnitt in den Ligen mir ansehe. [...] Und wie ich beim FC Bayern war [...] Das ist schon Weltklasse, was wir hier haben. Und da war ich dann in meiner zweiten Zeit bei Bayern sehr, sehr dankbar für und habe das vielleicht noch mehr oder überhaupt zu schätzen gewusst im Vergleich zu den Chicago Bulls.

 

Frage: In deiner Karriere hast du sicherlich viele Höhen und Tiefen erlebt. Wie wichtig waren in dieser Zeit die Unterstützungssysteme, also Ärzte, Familie, Freunde und auch Psychologen? Hast du das Gefühl, dass es im Profisport oft noch zu wenig Unterstützung für Athleten gibt?

Paul Zipser: Also ich glaube, ich habe nicht nur was die Clubs angeht sondern einfach, ich habe eine funktionierende Familie, ich habe Freunde, die für mich da sind, wenn ich irgendwas brauche. Also ich glaube generell habe ich einfach ein funktionierendes System hinter mir und eine Frau die mir den Rücken frei hält, also ich glaube, ich habe da wirklich ein supergeiles Umfeld dafür, aber ich weiß auch, dass das nicht jedem so geht. Deswegen umso wichtiger, dass das jetzt das Thema, das ganze Thema immer größer wird und mehr Leute Hilfe haben.

 

Frage: Heute gibt es immer mehr Programme, die Sportler sowohl körperlich als auch mental unterstützen. Was hältst du von solchen Programmen? Hättest du dir so etwas während deiner eigenen Krise gewünscht und wie wichtig ist es, solche Angebote im Profisport zu etablieren?

Paul Zipser: Sehr, sehr gut. Wie gerade gesagt, das Thema ist ein super wichtiges Thema und ich glaube, im Profisport gilt irgendwann nicht mehr, wer ist der bessere Basketballspieler [...] sondern wer ist mental stärker. Und ich glaube, das ist bei anderen Sportarten ähnlich oder genauso. [...] Generell dass es viele Menschen gibt, [denen es] psychisch nicht so gut geht, wie man das vielleicht glauben mag, was man so denkt, wenn man die jeden Tag sieht oder auf dem Spielfeld rumrennen sieht. Das gibt es mehr, als man denkt. Deswegen finde ich es super geil.

 

Frage: Paul, wie hast Du den Wiedereinstieg in den Sport und das damit verbundene Selbstbild als Sportler empfunden? Hat sich hierdurch z. B. Dein Selbstvertrauen wieder verbessert?

Paul Zipser: So, ja, ich glaube, dass sich auch mein Selbstbild oder mein Selbstvertrauen jetzt für den Profisport langsam wieder... Also ich meine, ein Fundament sich aufbaut, dass ich mir in verschiedenen Dingen klar bin, okay, die kann ich gut und daher kommt der Selbstvertrauen. [...] Aber nichtsdestotrotz bin ich von einigen Fähigkeiten überzeugt die ich jetzt trotzdem oder immer noch dem Team geben kann. Und das gibt mir dann das Selbstvertrauen, mich aufs Spielfeld zu stellen. [...] Die allerwenigstens kennen diese Geschichte von vor drei Jahren. [...] Ich finde es selbst auch immer wieder erschreckend und auch ein bisschen witzig ehrlich gesagt, dass ich da wieder auf dem Niveau bin, wo ich jetzt gerade bin, nach der Geschichte.

 

Frage: Du hast sicher viel über die Balance zwischen körperlicher und mentaler Gesundheit nachgedacht. Wie wichtig ist es für dich heute, diese beiden Aspekte miteinander zu vereinen? Was hast du während deiner Erkrankung über die Bedeutung der mentalen Gesundheit gelernt?

Paul Zipser: Ich glaube, im Leistungssport gilt es dann irgendwann nicht mehr, die besseren Fähigkeiten einfach zu haben, sondern wer es mental dann stärker. [...] Und das war mir eigentlich vor der OP eigentlich auch schon klar. [...] Was ich vielleicht noch mal ein bisschen mehr verschoben habe, also ist, dass es mir noch mal klarer wurde, dass man sagt immer, Gesundheit ist das Wichtigste und alles. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr einfach gesund bin, wenn ich mir irgendwas wünschen könnte. Das ist vielleicht auf jeden Fall noch mal stärker geworden. Und dass man mental so stabil bleibt, wie es nur geht. [...] Die OP oder die Kopfgeschichte hat es vielleicht nochmal ein Stückchen weiter auf ein anderes Level gebracht.

 

Frage: Du hast deine Geschichte öffentlich gemacht, und das hat vielen Menschen Mut gemacht. Was hat dich dazu bewegt, so offen über deine Krankheit zu sprechen? Und was für Reaktionen hast du auf deine Offenheit erhalten?

Paul Zipser: Ich bin schon immer in meiner Karriere super offen [...] nach außen. Also wenn mich irgendjemand im Interview was fragt dann beantworte ich das genauso, wie ich es denke. [...] Und bevor jetzt irgendwelche Leute sich irgendwas denken [...] dann erzähle ich denen das doch einfach so, wie es gewesen ist, was gleichzeitig auch nochmal einen kleinen therapeutischen Ansatz hatte, glaube ich für mich. Also es hat mir sehr gut getan, darüber zu sprechen und sehr offen darüber zu sprechen. [...] Und wie viele Menschen ich in Basketball-Deutschland um mich herum dann doch habe, die was sehr ähnliches vielleicht auch hatten, ist erschreckend wie viele das dann sind. Aber natürlich die Menschen, die an mich rankommen, die haben alle also durchweg mir fällt nichts Negatives ein, was mir gesagt worden ist.

 

Frage: Du hast diese schwere Zeit durchgestanden und bist stärker denn je zurückgekehrt. Welche Lehren hast du aus dieser Erfahrung gezogen? Gibt es Dinge, die du heute anders machst?

Paul Zipser: Ich glaube, was ich so gelernt habe war alles eigentlich nur verstärkend was ich davor schon gedacht habe. [...] Meine Verletzungen zum Beispiel haben mir schon sehr viel beigebracht und das hat die OP dann nochmal verstärkt dass eben die Gesundheit die Nummer eins ist. [...] Das zum Beispiel das Thema, okay, man soll sein Leben auch leben und nicht nur abwarten und keine Risiken eingehen. [...] Das Leben ist dann doch zu kurz, um viele Sachen erst mal später zu machen. Ich hatte davor auch Nummer-eins-Ziel Familie. Ich wollte unbedingt Kinder haben und das haben wir jetzt auch gemacht. [...] Ich habe über mich gelernt, dass ich dann doch mental vielleicht ein bisschen fragiler, je nachdem wie die Sachen laufen, bin als ich gedacht habe. Deswegen auch der Therapeut.

 

Frage: Hat diese Erfahrung deine Sicht auf den Profisport verändert? Was würdest du jungen Athleten raten, die mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben oder in einer ähnlichen Situation stecken?

Paul Zipser: Sachen ausprobieren, sich nicht zu schade sein, um Sachen auszuprobieren darüber auch offen reden oder dumme Fragen stellen eventuell. [...] Das würde ich allen raten, dass man offen mit Themen umgeht, egal wie groß sie dann sind. Und dass man fragt und nach Hilfe sucht. [...] Einfach viele, viele verschiedene Sachen ausprobieren. Irgendwann findet man was, was einem hilft und dann kann man sich auch gerade im Leistungssport abheben von anderen.

 

Frage: Was würdest du dir für die Zukunft des Profisports wünschen, besonders wenn es um den Umgang mit Krankheiten und gesundheitlichen Problemen geht?

Paul Zipser: Ich glaube wir sind auf einem guten Weg. Ich bekomme mehr und mehr mit von Initiativen oder Regeln in Ligen, dass mehr Menschen in der Welt des Sports verstehen, wie wichtig die mentale Stärke oder die mentale Gesundheit ist im Leben oder im Profisport. [...] Es sollte, sobald man auf einem bestimmten Niveau ist, eine ganz klare Regel sein, dass jeder Sportler oder jeder Arbeitende eigentlich die Voraussetzung haben sollte [...] mit jemandem zu sprechen oder andere Möglichkeiten, die einem dann weiterhelfen. [...] Dass wir das in den Leistungssport mehr reinbekommen, dass man da bestimmte Regeln hat, dass Menschen das ausprobieren. [...] Und ich glaube, wenn man es halt einfach mal ausprobiert, dann werden es auch mehr Leute beanspruchen als das jetzt tun.

Interview mit Antje Möldner-Schmidt

Antje Möldner-Schmidt, ehemalige deutsche Leichtathletin und 13-fache Deutsche Meisterin, erkrankte 2010 an Lymphdrüsenkrebs. Sie kehrte in den Leistungssport zurück und wurde 2014 Europameisterin im 3.000 m-Hindernislauf.

Liebe Frau Möldner-Schmidt,

Als Sie die Diagnose Krebs bekamen: Konnten Sie sich vorstellen, was auf Sie zukommt?

Nein, ich bin davon ausgegangen, dass ich 2010 im Sommer bei den Deutschen Meisterschaften wieder laufe.

 

Welche Therapien haben Sie bekommen und wie hat sich in dieser Zeit Ihre Leistungsfähigkeit verändert?

Ich habe eine Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung erhalten. Meine Leistungsfähigkeit hat während der Therapie rapide abgenommen. Ein Stadtbummel war in dieser Zeit nicht möglich, da ich körperlich zu geschwächt war.

 

Kannten sich Ihre behandelnden Ärzte mit Leistungssport aus – und umgekehrt Ihre Trainer mit Krebserkrankungen?

Ich denke für jeden Leistungssportler ist so eine Erkrankung im normalen Sportlerdasein so weit weg, dass man sich darüber keine Gedanken macht. Meine Trainerin hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine Berührung mit Krebserkrankungen bei Sportlern. Ich war ihre erste Athletin.

Auch in dem behandelnden Krankenhaus hatten die Ärzte keine Erfahrung mit Leistungssportlern, da es keine zentrale Anlaufstelle gab, wo schon Erfahrungen gesammelt wurden bzw. Spezialisten kontaktiert werden konnten.

 

Wir bauen gerade eine Sprechstunde für Leistungssportler mit Krebserkrankung auf, in der es um Fragen zum Training unter Therapie und angrenzende Themen geht. Hätte Ihnen so eine Sprechstunde geholfen?

Ich denke, wenn es zum damaligen Zeitpunkt Möglichkeiten gegeben hätte mehr Informationen zu erhalten, dann hätte ich sie auch genutzt.

 

Wann wussten Sie, dass Sie wieder voll in den Leistungssport einsteigen möchten?

Eigentlich von Anfang an. Es war für mich nie ein Thema aufzuhören, da ich nur den Leistungssport kannte. Es ging nur darum, wie lange ich brauchen würde.

 

Sie sind nach Ihrer Krebserkrankung Europameisterin geworden. Wie betrachten Sie rückblickend die Krebserkrankung im Verlauf Ihrer Karriere?

Meine Sportkarriere verlief nie geradlinig, es gab immer irgendwelche gesundheitliche Probleme/ Verletzungen, mal waren sie kleiner und dann eben eine größere Erkrankung.

Ich habe gelernt damit umzugehen, wollte aber nicht gleich an die Öffentlichkeit gehen, da ich nicht auf meine Erkrankung reduziert werden wollte, sondern immer noch als die 3000m Hindernisläuferin wahrgenommen werden sollte.

Es gab zeitig genug Presseanfragen, wo ich mich hätte darstellen können, jedoch wollte ich über das wann, wie und wo selber entscheiden.

Ich denke, dass vor der Europameisterschaft 2014 rückblickend ein guter Zeitpunkt war, da genügend Zeit vergangen war und ich Abstand gewonnen hatte, um offen darüber zu sprechen. Klar wühlt es einen immer noch auf, wenn man auf das Thema zu sprechen kommt.

Die Erkrankung hat mich als Mensch stärker gemacht, geformt und lässt mich Sachen entspannter sehen bzw. aus einem anderen Blickwinkel.

 

Haben Sie noch einen Kommentar zu unserer SuPORT-Initiative, die Leistungssportler mit Krebserkrankung unterstützt?

Niemals aufgeben…positiv denken.

 

Liebe Frau Möldner-Schmidt, wir danken Ihnen für das Interview!