Wie hast du von der Diagnose Lymphknotenkrebs erfahren?
Im Jahr 2010 erhielt Antje die Diagnose Lymphknotenkrebs – ein Schock, der ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellte. Es begann mit unspezifischen Symptomen, die sie zunächst auf das harte Training zurückführte. Erst nach gründlichen Untersuchungen stand die Diagnose fest und die Welt schien stillzustehen. Als Leistungssportlerin war sie es gewohnt, Probleme mit Disziplin und Willenskraft zu lösen – doch das war eine völlig neue Herausforderung.
Welche Auswirkungen hatten Chemotherapie und Bestrahlung auf dein Training?
Die Chemotherapie und Bestrahlung führten zu einem massiven Leistungsverlust, der für eine Spitzensportlerin besonders schwer zu ertragen war. Der Körper, auf den sie sich immer verlassen konnte, funktionierte plötzlich nicht mehr so, wie sie es gewohnt war. Einfachste Übungen wurden zur Qual, und die Trainingsintensität musste drastisch reduziert werden. Trotzdem versuchte Antje, so viel Bewegung wie möglich in den Therapiealltag zu integrieren.
Wie war der Umgang mit Ärzten und Trainern – gab es ausreichend Fachwissen zum Thema Sport bei Krebs?
Antje erlebte, dass viele Ärzte und Trainer kaum Fachkenntnisse zum Thema Sport während einer Krebstherapie hatten. Die meisten rieten ihr pauschal vom Training ab, ohne ihre besondere Situation als Leistungssportlerin zu berücksichtigen. Es fehlten konkrete Leitlinien und Erfahrungswerte, wie Hochleistungstraining und Krebsbehandlung vereinbar sein könnten. Diese Lücke im Wissen machte den ohnehin schwierigen Weg noch einsamer.
Wie bist du mit den mentalen Herausforderungen umgegangen?
Die mentalen Herausforderungen waren für Antje mindestens so belastend wie die körperlichen. Zweifel, ob sie jemals wieder auf Wettkampfniveau zurückkehren könnte, begleiteten sie täglich. Doch ihre Grundhaltung war klar: Niemals aufgeben und immer positiv nach vorne schauen. Diese innere Überzeugung, gepaart mit der Unterstützung ihres Umfelds, gab ihr die Kraft, auch die dunkelsten Momente zu überstehen.
Wie verlief dein Weg zurück ins Training nach der Therapie?
Der Weg zurück ins Training war ein langer, mühsamer Prozess mit vielen Rückschlägen. Antje musste geduldig sein und akzeptieren, dass der Körper seine eigene Geschwindigkeit hat. Schritt für Schritt steigerte sie die Belastung, hörte genau auf die Signale ihres Körpers und passte das Training entsprechend an. Die Disziplin aus dem Leistungssport half ihr dabei, strukturiert und konsequent an der Rückkehr zu arbeiten.
Europameisterin 2014 – wie hast du diesen Triumph nach der Erkrankung erlebt?
Der Gewinn der Europameisterschaft 2014 im Hindernislauf war der größte sportliche Erfolg in Antjes Karriere und zugleich der emotionalste Moment. Nur vier Jahre nach der Krebsdiagnose auf dem höchsten europäischen Podest zu stehen, war der Beweis, dass Aufgeben keine Option ist. Dieser Titel war weit mehr als eine Goldmedaille – er war das Symbol dafür, dass man selbst nach den schwersten Rückschlägen zurückkommen kann. Für Antje war es die Erfüllung eines Traums, den viele für unmöglich gehalten hatten.
Was ist deine Botschaft an andere Sportler, die eine Krebserkrankung durchmachen?
Antjes Botschaft ist eindeutig: Niemals aufgeben und immer positiv denken. Auch wenn der Weg lang und steinig ist, lohnt es sich, weiterzukämpfen. Sie ermutigt Betroffene, sich Hilfe zu suchen, offen über ihre Situation zu sprechen und sich nicht in die Isolation zurückzuziehen. Jeder Mensch und jede Erkrankung ist anders, aber der Wille und eine positive Grundeinstellung können Berge versetzen.
Jetzt Beratung anfragen
Kostenfreie Sprechstunde – vor Ort in Heidelberg oder per Videokonferenz.
Tel: 06221-56-5918